Um ehrlich zu sein, benutze ich Duolingo nicht mehr besonders häufig, da ich in letzter Zeit vor allem Chinesisch und Japanisch gelernt habe und hier andere Apps einfach besser sind als Duolingo. Trotzdem interessiert es mich natürlich brennend, wie sich die beliebteste Sprachlernplattform der Welt entwickelt und welche Verbesserungen zu erwarten sind. Eine Sache, die ich an Duolingo sehr schätze, ist, dass sich die App extrem schnell weiterentwickelt und jedes Mal, wenn ich sie öffne, neue Features hat. Im Gegensatz zu anderen Sprachlern-Apps wird nämlich die App mit der freundlichen Eule keine Geldprobleme haben, was zum einen an ihrer Gründungsstory und natürlich an ihrem wahnsinnigen Erfolg liegt.
Anfang Oktober fand die Duocon 2020 statt, allerdings nicht wie ursprünglich geplant in New York, sondern (coronabedingt) komplett online. Gut für uns, die wir uns jetzt das ganze Event als Aufzeichnung anschauen können. Während des 4 1/2-stündigen Livestreams kamen nicht nur Entwickler und Designer von Duolingo zu Wort, die die neusten Features und Entwicklungen vorstellten, sondern zwischendurch auch andere Wissenschaftler oder Sprachprofis, die z.B. über die Erfindung der Sprachen aus Game of Thrones sprachen. Ich möchte mich in diesem Artikel allerdings auf die Zusammenfassung der Themen rund um Duolingo beschränken, die da waren:
- Project World
- Stories
- Audio Lessons
- Duolingo Podcast
- Die Zukunft
1. Project World

Der erste Talk featurete Greg Hartman, der über Duolingos neuste Design-Entwicklungen sprach. Wer zu Duolingos Anfangszeit dabei war, der erinnert sich vielleicht noch, dass es zu Beginn lediglich die Eule als Charakter gab und sonst keinerlei Illustrationen in der App. Später kamen dann viele verschiedene Illustrationen von Menschen über Tiere bis zu Objekten hinzu, die sich sehr schön in das freundliche Design Duolingos einfügten. Jetzt hat Duolingo noch einen drauf gesetzt, indem sie eine ganze ‚Welt‘ verschiedener Charactere geschaffen haben, deren bestimmte Ethnien und Charactereigenschaften zugeschrieben werden und die sogar ihre eigenen Stimmen haben! So gibt es zum Beispiel Junior, einen Jungen, der Fakten über Frösche sammelt und Videospiele mag, oder Lily, eine humorlose, lilahaarige Punkrock-Dame, aber auch eine Frau mit Kopftuch und einen mit Turban, eine ältere japanische Dame, ein Mechanikerin, ein Sportler, etc. Die Charactere sind alle mit sehr viel Liebe und schönen Animationen gestaltet, um möglichst viele ethnische Gruppen und unterschiedliche Typen abzubilden. Duolingo hat dafür extra Sprecher herangezogen, die jedem Character eine einzigartige Stimme verleihen. Dazu wurde die Computerstimme durch Audiodaten von echten Sprechern adaptiert. Leider kommt man in diesen Genuss bisher nur bei den Englischkursen. Ich bin mir aber sicher, dass bald andere Sprachen nachfolgen werden.
Greg erzählt in seinem Interview, wie der Designprozess vonstatten ging, was es für linguistische und kulturelle Probleme bei der Namensgebung der Charactere gab und stellt alle neuen Charactere vor. Ein sehr interessanter Vortrag, wenn er auch etwas geskriptet klingt.
Die ganze Geschichte zum Design der neuen Welt kann man auf Duolingos Blog nachlesen.
2. Stories
Auch die Stories sind ein neues Duolingo-Feature, das man bereits (z.B. im Französischkurs) testen kann. Vor etwa einem Jahr (oder so) gab es stattdessen noch die Duolingo Bots, eine Art KI, mit der man einfache Konversationen führen konnte. Das hat mehr oder weniger schlecht funktioniert, vielleicht ein Grund, warum es die Bots nicht mehr gibt. Schade eigentlich, denn ich fand die Sache sehr vielversprechend. Ich bin mir aber sicher, dass, sobald die Technik etwas weiter ausgereift ist, diese Idee wieder von irgendjemandem aufgegriffen werden wird.




Stories gehen einen anderen Weg. Diese sind -nunja- kleine Geschichten, die aus zwei Protagonisten bestehen, die einen Dialog führen. Zwischendurch sind die Stories mit kurzen Fragen oder Erklärungen gespickt. Was sie auszeichnet, ist, dass auch sie in steigende Niveaus aufgeteilt sind und vor allem, dass viel Wert darauf gelegt wurde, die Stories so witzig wie möglich zu erzählen. Die Stories zu lesen macht einfach Spaß. Einziger Nachteil: Welche Stories man lesen kann, hängt vom eigenen Lernfortschritt ab. Man kann nicht direkt zu den späteren Stories übergehen, wenn man schon einiges an Sprachkenntnissen hat. Musste man vor einigen Wochen, als ich das Feature zum ersten Mal getestet hatte, noch alle Stories nacheinander lesen, kann man jetzt den jeweils nächsten Block freischalten, indem man in der Hauptlektion ‚Kronen‘ erspielt.
Und das Beste? Der nächste Kurs, der Stories erhalten wird, wird der Japanischkurs sein!
3. Audio Lessons
Ein neues Feature, das bisher noch nicht live ist, wurde von Natalia Castillejo, der Senior Product Managerin, vorgestellt. Audio lessons werden etwa 5-minütige Audiolektionen sein, die man durchgehen kann, ohne dabei das Gerät benutzen zu müssen. So kann man beim Kochen oder Spazierengehen nebenbei mit Duolingo lernen und dabei auch Erfahrungspunkte sammeln. Die Lektionen werden allerdings nicht nur zum Hören sein, sondern auch zum Sprechen animieren. Für eine kleine Gruppe Lerner ist das Feature schon verfügbar, sie dienen den Entwicklern als Versuchsgruppe, um das Design und die Produktion zu optimieren. Audio lessons sollen Ende des Jahres für alle verfügbar sein.
4. Podcasts
Duolingos Podcasts gibt es schon seit 2017, zunächst nur auf Spanisch, dann auch auf Französisch und Englisch für Spanisch-Sprechende. Die Podcasts sind, anders als die zukünftigen Audio lessons, allerdings nicht in die App integriert, sondern wie andere Podcasts auch über Plattformen wie iTunes, Spotify oder Google Podcasts erhältlich. In ihrem Talk reden Laura Macomber und Martina Castro darüber, wie die Podcasts entstehen und was die Schwierigkeiten dabei sind, was sehr unterhaltsam ist. Die Episoden werden nämlich nicht etwa von Profis eingesprochen, sondern von Menschen, die teilweise noch nie vor einem Mikrofon gesessen haben. Da bedarf es einem besonderen Maß an Animation und Einfühlungsvermögen auf Seiten der Produzenten, um das Beste aus den Sprechern herauszuholen. Auch sind die Sprecher Muttersprachlern verschiedener Nationalitäten, deshalb müssen ständig Entscheidungen darüber getroffen werden, welche Ausdrücke man verwendet oder ob englische Begriffe nun mit spanischem Akzent gesprochen werden oder andersrum.
El Gran Robo Argentino – True Crime im Spanischpodcast
Eine Sache, die allerdings tatsächlich neu ist/sein wird, ist eine spanische True-Crime-Miniserie „El Gran Robo Argentino“, die gerade in Produktion ist. Die Geschichte handelt von einem Banküberfall, der 2006 tatsächlich in Buenos Aires stattgefunden hat, wo fünf Männer 20 Millionen Dollar gestohlen haben. Persönlich bin ich jetzt schon traurig, dass ich kein Spanisch lerne, denn ich finde das Konzept klingt super. Mit etwas Glück produziert Duolingo aber in Zukunft auch etwas ähnliches für Französisch. Hier könnt ihr euch den Trailer ansehen:
5. Vergangenheit und Zukunft von Duolingo
Das Schlusswort gehörte dem CEO und Gründer von Duolingo, Luis von Ahn, der ein paar Ausblicke in die Zukunft und Vergangenheit gab. So spricht er darüber, wie er selbst in die USA kam und dafür Englisch lernte, wie Duolingo entstand und dass er den ersten Spanischkurs tatsächlich selbst entwickelt hat, darüber dass Duolingo mittlerweile die beliebteste Sprachlernplattform der Welt ist und dass die Nutzerzahlen seit der Coronapandemie noch zugenommen haben.
Mehr Content für Französisch- und Spanischkurse
Zu den Neuerungen, über die er spricht, gehört, dass kürzlich die Englisch-, Spanisch-, und Französischkurse mehr Lektionen erhalten haben und man nun zu einem viel höheren Niveau aufsteigen kann. Das werde ich definitiv demnächst anhand des Französischkurses ausprobieren! Außerdem sei das Team gerade dabei, den Japanischkurs komplett zu überarbeiten, was ich nur begrüßen kann. Zu der Frage, warum man zum Lernen asiatischer Sprachen besser nicht Duolingo nutzt, könnte man einen ganz eigenen Blogartikel schreiben! Ich bin gespannt, was sich die Entwickler da ausdenken und ob der zukünftige Kurs an Apps wie LingoDeer herankommen wird.
Eine interessante Sache finde ich, dass Duolingo nun den Fortschritt der Nutzer analysiert und die Schwierigkeit anpasst. Deshalb sieht man mittlerweile einige Lektionen, die als ’schwierig‘ markiert sind. Dieses Feature muss ich definitiv noch genauer unter die Lupe nehmen, aber wenn es so funktioniert, wäre es etwas, dass Duolingo von den meisten anderen Apps abheben dürfte.
Ein Englisch-Zertifikat für $50
Zuletzt erwähnt von Ahn noch den eingebauten Englischtest, mit dem man ein Zertifikat für nur 50 Dollar erlangen kann. Im Gegensatz zu anderen Zertifikaten wie TOEFL etc. ist das sehr günstig. Außerdem fallen hier Anfahrtskosten weg, da der Test komplett online stattfindet. Auch wenn 50 Dollar immernoch nicht wenig sind, dürfte die Hürde für viele Junge Menschen, die ein solches Zertifikat für die Uni oder Arbeit brauchen, damit deutlich gesunken sein. Ich erinnere mich noch daran, dass meine Schwester einst einen solchen Test mit 18 Jahren in Frankfurt nehmen musste und erst mitten in der Nacht nach Hause kam, da ihr Anfahrtsweg (und Rückweg) 2 Stunden betrug.
Mehr als nur Sprachen
Was ich persönlich aber am interessantesten finde, ist, was von Ahn zum Schluss erwähnt, auf die Frage, wo er die Zukunft von Duolingo sehe. Von Ahn will sich nämlich bei der Vermittlung von Bildung nicht nur auf Sprachen konzentrieren, sondern darüber hinaus auch andere Themen zugänglich machen. Zur Zeit gibt es immerhin schon einen ABC-Kurs, der englischsprachigen Kindern das Schreiben beibringt, aber wer weiß, was da in Zukunft noch passieren wird.
Fazit
Insgesamt war die Duocon 2020 sehr unterhaltsam und ist definitiv einen Blick wert, wenn man Duolingo-Nutzer ist. Zumal noch weitere, generelle Talks zu linguistischen Themen dabei waren, die ich jetzt hier nicht erwähnt habe. Zum Glück gibt es mittlerweile die Interviews auch einzeln zum Anschauen auf Duolingos Website. Die nächste Duocon soll nächstes Jahr dann in Brooklyn stattfinden. Wer dann zufällig in New York ist, sollte das nicht verpassen.
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